Self-Transcendence 24-Stundenlauf in Köln am 16.07.2005
Mit dem RunEx123-Team wollte ich im Jahr 2006 am Badwater Ultramarathon teilnehmen. Mit Gerri und meiner Tochter Gina hatte ich bereits zwei Vertraute gefunden, die bereit waren, als Supporter mit in die Staaten zu reisen. Es fehlte nun nur noch die Qualifikation für den Badwater Ultramarathon. Es gibt mehrere Möglichkeiten, sich für Badwater zu qualifizieren. Als Quali reicht u. a. ein 100 Meilen-Lauf in den letzten zwei Jahren.
Da ich natürlich auch im Jahr 2005 einen Ultra laufen wollte, entschloss ich mich kurzfristig dazu, am 24-Stundenlauf im Juli 2005 in Köln teilzunehmen. Genauer gesagt reifte der Entschluss eine Woche vor dem Lauf. In Schmallenberg nahm ich an einem Lauf der Sauerlandserie teil und kam nach dem Duschen mit meinem Vereinskameraden Thomas Mirz ins Gespräch. Ich sagte ihm, dass ich Interesse am 24-Stundenlauf in Köln hätte. Thomas sagte, dass er dort bereits vor einigen Jahren gelaufen sei. Leider hatte er wegen etlicher Blasen an den Füßen den Lauf bei 199 km vorzeitig abbrechen müssen. Er schwärmte von der perfekt organisierten Veranstaltung und hatte noch eine Rechnung offen, da er die 200 km-Grenze in Angriff nehmen wollte. Da er auch schon mit dem Gedanken gespielt hatte, entschlossen wir uns dazu eine Woche später am 24-Stundenlauf in Köln teilzunehmen.
Am 16.07.2005 machten wir uns morgens bei herrlichem Sonnenschein und 25 Grad auf dem Weg nach Köln. Dort waren bereits etliche LäuferInnen auf dem Rundkurs unterwegs. Es waren die 48-Stunden-Läufer, die bereits einen Tag zuvor um 12 Uhr gestartet waren. Nach kurzer Anmeldung und Aufbau unseres Zeltes am Streckenrand wurde erst einmal der ein oder andere Smalltalk gehalten. Wir trafen auch auf Angie Ngankam, die gerade aus den USA kam. Sie war dort zum zweiten Mal als Supporter beim Badwater Ultramarathon unterwegs und wollte sich ebenfalls für 2006 qualifizieren. Sie war mit ihrem voll gepackten Van angereist. Angie kam mit frischen Jetlag und war noch gar nicht zuhause gewesen.
Pünktlich um 12 Uhr fiel der Startschuss. Es war sonnig und 25 Grad warm. Da die Strecke aber direkt an der Rheinpromenade und zusätzlich zu einem Großteil unter Bäumen lag, konnte man das Wetter gut ertragen. Gelaufen wurde auf einer 2 km-Runde. Es handelte sich um eine Wendepunktstrecke, wobei an den jeweiligen Enden ein großzügiger Kreis zu laufen war. Auf den Geraden trennte die Läufer lediglich ein Grünstreifen mit Bäumen, der mit Flatterband versehen war. Am unteren Ende war eine Verpflegungsstelle, bei es an nichts fehlte. Zusätzlich war dort noch ein Küchenzelt aufgebaut. Am anderen Ende befanden sich die Rundenzähler. Jeder Rundenzähler hatte 5 LäuferInnen zu betreuen. Bei jeder Runde gab es einen kurzen Augenkontakt, so dass man sicher sein konnte, dass man nicht übersehen wurde. Auf den Tischen der Rundenzähler waren die Startnummern der zu betreuenden LäuferInnen angebracht und darunter befanden sich Klapptafeln, auf denen die aktuelle Laufleistung angezeigt wurde. So war man immer über die gegenwärtige Laufleitung informiert.
Aufgrund der doch recht hohen Temperaturen ließ ich es gemächlich angehen. Die ersten Stunden vergingen recht schnell. In jeder Runde nahm ich an den Verpflegungsstellen Flüssigkeit zu mir. Dank der Erfahrung von Badwater 2004 schüttete ich nicht so viel in mich rein. Positiv überrascht war ich, dass ich nach ca. 5 ½ Stunden bereits die 50 km-Marke geschafft hatte. Das lief ja richtig super. Mir ging es auch noch recht gut, so dass ich das Tempo problemlos beibehalten konnte.
Nach 6 Stunden schallte eine Sirene. Es wurde vorher von den Veranstaltern bekannt gegeben, dass nach 6 und 18 Stunden die Laufrichtung gewechselt, um die Muskulatur nicht einseitig zu belasten. Wir näherten uns der Dämmerung und abends gegen 22:00 Uhr ging ich ins Zelt, um mir wärmere Sachen für die Nacht anzuziehen. Diese Pause nutzte ich, um mit Gerri zu telefonieren. Beim Umziehen merkte ich, dass meine Beine doch so einige Kilometer abgespult hatten. Insgesamt dauerte die Pause ca. ½ Stunde. Das war nicht weiter schlimm, denn ich wollte lediglich 161 km schaffen, um die Quali für Badwater zu schaffen. Insgeheim hatte ich gehofft, die 180 km-Grenze zu erreichen. Im Jahr 2003 habe ich im österreichischen Wörschach bei meinem ersten 24-Stundenlauf 171 km geschafft. Es wäre natürlich toll, diese Leistung zu toppen.
Nach etwa 11 ½ Stunden drückte mir ein Streckenposten eine Flagge mit der Aufschrift „100 km“ in die Hand. Mit dieser Flagge lief ich eine Runde. So war für die anderen LäuferInnen sichtbar, dass ich 100 km in der Tasche hatte. Die anderen Teilnehmer gratulierten mir unterwegs. Ich hatte das bereits vorher auch bei anderen LäuferInnen so gehandhabt. Zunächst fand ich das albern. Später musste ich meine Meinung aber ändern. Das Lob der anderen StarterInnen tat gut und gab Auftrieb.
Auf der Strecke wurde es in der Nacht nun leerer. Einige 24-StundenläuferInnen und vor allem viele der 48-StundenläuferInnen hörten auf ihre Körper und legten sich einige Stunden hin. Man kam nachts immer wieder mit anderen LäuferInnen ins Gespräch, so dass die Zeit doch rechts zügig verging. Thomas führte inzwischen den Lauf an und hatte ein kleines Tief, so dass wir einige Runden zusammen liefen. Nach diesem kurzen Zwischentief schnurrte er wieder souverän seine Runden ab. Weiterhin waren da ja noch die Dilledöppchen, eine absolut fantastische Truppe. Die in der Ultraszene bekannte Ilona Schlegel, die auch später die Frauenkonkurrenz gewann, hatte ihren eigenen Fanclub mitgebracht. Und dieser Fanclub nannte sich Dilledöppchen. Sie feuerten nicht nur ihre Läuferin Ilona an, sondern auch die anderen StarterInnen. Sie munterten mich in wirklich jeder Runde auf. Das gab ungeheuren Ansporn. Morgens bekam ich die „150 km“ Flagge. Natürlich fiel mir das Laufen mittlerweile nicht mehr so leicht. Von Anfang an habe ich beim Trinken, als in jeder Runde eine kurze Gehpause eingelegt. Das Anlaufen wurde immer schwerer. Der Körper war einfach der Meinung, dass das Rennen zu Ende ist, sobald man geht. Aber es gelang mir weiterhin, meinen Körper zum Laufen zu bewegen. Die Dilledöppchen meinten, dass mein Laufstil noch locker aussehen würde. Wenn die wüssten. Aber ihre Anfeuerungen taten einfach nur gut.
Die Sonne schien wieder recht ordentlich. Es wurde wieder ein heißer Tag. Mittlerweile war ich mir recht sicher, die 180 km zu schaffen. Total überrascht war ich, als mein Name auf der Anzeigentafel auftauchte. Bei den Rundenzählern war eine Anzeigentafel aufgebaut und dort wurden aktuell die führenden 7 Männer und Frauen angezeigt. Auf einmal stand ich an Platz 7. Das beflügelte ungemein und das Anlaufen nach den Geh-/Trinkpausen fiel wieder ein wenig leichter. Das führte dazu, dass ich mich im Laufe des Vormittags bis auf Platz 5 vorarbeitete.
Die 180 km lagen bereits hinter mir und ich liebäugelte damit, die 200 km zu schaffen. Der Kopf war abgelenkt Weg-/Zeitberechnungen. Wie schnell oder (besser gesagt) langsam muss ich sein, um auf 200 km zu kommen. Kurz vor dem Ende der Veranstaltung war es so weit. Was ich nie für möglich gehalten hatte, war eingetreten. Ich hatte die 200 km geschafft. Ich bekam wieder mein Fähnchen. Dieses Mal trug es die Aufschrift „200 km“. Eigentlich wollte ich bei km 200 bis zum Schluss stehen bleiben, weil mein Kadaver einfach nicht mehr laufen wollte. Aber Kopf und Körper einigten sich darauf, ab 200 km bis zum Ende zu gehen. Es war ein richtig geiles Gefühl, die magische Grenze von 200 km übertroffen zu haben.
Um 12 Uhr ertönte nach genau 24 Stunden die Schlusssirene. Es war geschafft. Mit 202,113 km hatte ich den 5. Platz im Self-Transcendence 24-Stundenlauf erreicht. Die Muskelschmerzen in den Beinen ließen sich mit dieser nicht für möglich gehaltenen Leistung locker ertragen. Mein Vereinskamerad Thomas Mirz hatte das Rennen mit grandiosen 218,698 km gewonnen. Eine Klasseleistung. Bei den Frauen siegte Ilona Schlegel mit hervorragenden 206,427 km. Angie Ngankam erreichte sagenhafte 186,536 und wurde Zweite bei den Frauen. Die Quali für Badwater hatte sie damit locker geschafft.
Zum Schluss möchte ich mich herzlich bei den Dilledöppchen bedanken, die wirklich einen großen Anteil an meiner Leistung hatten. Die haben 24 Stunden lang ununterbrochen nicht nur ihre Ilona Schlegel, sondern wirklich alle LäuferInnen angefeuert. Auch das ist ein Kunststück. Ein Riesenlob gebührt selbstverständlich auch den Organisatoren, die eine perfekte Veranstaltung auf die Beine gestellt haben. Die Verpflegungsstellen waren vielfältig, wie ich es bei Läufen nicht ansatzweise erlebt habe. Wer sich Zeit nahm, konnte sogar im Küchenzelt eine beliebige Bestellung aufgeben und eine Runde später essen. Einfach genial.
Zum Badwater Ultramarathon 2006 bin ich leider nicht gereist. Die Qualifikation hatte ich zwar geschafft, aber es handelt sich um ein Einladungsrennen, bei dem man sich bewerben muss. Die Kriterien für einen Start sind nicht durchsichtig und daher ist es immer Glücksache, zum Start des Badwater Ultramarathon eingeladen zu werden. Im Jahr 2006 haben sich über 400 LäuferInnen aus der ganzen Welt für ca. 80 Startplätze beworben. Leider war ich nicht dabei. Schnief! Aber vielleicht klappt es ja zu einem späteren Zeitpunkt.