Jungfrau Marathon

Im Jahr 2002 wollten Gerlinde und ich an einem nicht alltäglichen Marathon teilnehmen. Unsere Wahl fiel auf den Jungfrau-Marathon, der jedes Jahr Anfang September im Berner Oberland in der Schweiz veranstaltet wird. Dieser Lauf feierte 2002 das 10-jährige Jubiläum, daher wurde der Marathon an zwei Tagen veranstaltet. Er gilt als faszinierender Landschaftsmarathon, im „Ultimativen Marathon-Guide“ wird er als schönster Marathon der Welt bezeichnet. Start ist in Interlaken und der Lauf endet auf der Kleinen Scheidegg vor dem Dreigestirn der weltbekannten Berge des Jungfraumassivs Eiger, Mönch und Jungfrau. Der Jungfrau-Marathon ist auf 3.500 Teilnehmer limitiert. Das Limit ist erforderlich, um die Umwelt zu schonen. Weiterhin dürften aus logistischen Gründen (Rücktransport mit der Bergbahn) die Kapazitäten erreicht sein.

Bei dem Lauf sind 1.829 Höhenmeter bergauf und 305 Höhenmeter abwärts zu überwinden. Aus diesem Grund haben Gerlinde und ich im Vorfeld viel in den sauerländischen Bergen trainiert. Da wir aber einen derartigen Bergmarathon noch nie gelaufen sind, standen wir mit etwas mulmigen Gefühl am Samstag, 07.09.2002 am Start.

Als dann der ersehnte Startschuss kam, drehten wir zunächst eine Runde in Interlaken (565 m über NN). Das Profil ist zunächst flach. Über Bönigen und Wilderswil geht es über Gsteigwiler, wo wir von zahlreichen Zuschauern euphorisch begrüßt wurden, nach Lauterbrunnen. Die letzten Kilometer nach Lauterbrunnen, welches wir nach ca. 20 km erreichten, ging es ein wenig steiler bergauf. Auch in Lauterbrunnen erwarteten wieder etliche Zuschauer die Läuferschar mit Kuhglocken und ähnlichen landestypischen Utensilien. Kurz hinter der Halbmarathon-Marke haben wir gerade mal 300 Höhenmeter überwunden. Es lagen als noch über 1.500 Höhenmeter auf der zweiten Hälfte vor uns.  

Nach einem eher flach bzw. abwärts gehenden Streckenabschnitt durch ein wundervolles Tal stehen wir bei km 25 vor der berüchtigten Wand nach Wengen. Scheinbar endlos geht es in Serpentinen immer nur extrem steil bergauf. An Laufen ist nicht ansatzweise zu denken. Später haben wir uns sagen lassen, dass gerade eine Handvoll Spitzenläufer in der Lage ist, diese Passage laufend zu absolvieren.  

Nach 31 km erreichen wir endlich Wengen. Auch dort feuern wieder große Zuschauermengen die Läufer an. Aber es lagen immer noch ca. 1.000 Höhenmeter vor uns. Aufgrund des sehr guten Wetters wurden wir grandiosen Ausblicken auf die fantastische Berglandschaft belohnt.

Den Höhepunkt der Strecke erreichten wir bei km 40. Auf dem Grat der Moräne des Eigergletschers schleichen sich die Läufer, wie auf einer Perlenschnur aufgereiht, bergauf. Am Ende der Moräne stand traditionell ein Dudelsackpfeifer, der jedes Jahr die Läufer mit schottischen Melodien empfängt. Bei km 41 erreichen mit 2.205 m über NN den höchsten Punkt der Strecke. Den letzten Kilometer geht es dann bergab zum Ziel auf der Kleinen Scheidegg in 2.095 m über NN.

Diesen Marathon bin ich zusammen mit Gerlinde gelaufen, so konnten wir gemeinsam die eindrucksvolle Berglandschaft genießen und uns natürlich auch zusammen die Berge hoch quälen.

Im Ziel wurden wir am Fuße der Eiger Nordwand mit herrlichen 21 Grad und Sonnenschein belohnt. Wir haben uns dort aufgrund der guten Wetters noch eine Weile dort aufgehalten und die Zeit genossen.

Ein anschließender Wanderurlaub im Berner Oberland rundete den Aufenthalt in der Schweiz ab. Den Jungfrau-Marathon kann ich nur wärmstens empfehlen. Es ist ein wunderschöner Landschaftslauf in grandioser Natur. Sicherlich ist es ein Marathon der schwereren Art, aber bei gutem Wetter lohnt sich jede Anstrengung. Wir sind sicher, dass wir diesen Marathon auf jeden Fall noch Mal laufen möchten.