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OSTSEEMAN 2009

    3,8 km Schwimmen – 180 km Radfahren – 42,195 km Laufen

Als Ultraläufer war ich mal wieder auf der Suche nach einer außergewöhnlichen Veranstaltung bzw. Herausforderung für das Jahr 2009. Schon lange schlummerte in mir der Wunsch, mal an einem Ironman teilzunehmen. Ich habe mich dann dazu entschlossen, in Glücksburg beim Ostseeman 2009 zu starten.

Anfang 2009 bin ich mit dem Triathlontraining angefangen. In der Vorbereitung absolvierte ich 35 Schwimmkilometer, die Schwimmeinheiten waren jeweils 1 – 3 km lang. Witterungsbedingt startete ich mit dem Radtraining erst im April und legte 3.300 km zurück. Darunter waren etliche Fahrten zwischen 100 und 160 km. Weiterhin lief ich in der Vorbereitung 4 Marathons im Wohlfühltempo und spulte insgesamt 1.400 km ab. Ferner startete ich als Vorbereitungstriathlon beim Steelman in Steinbeck (1,5 km Schwimmen / 70 km Rad / 21,1 km Laufen) und beim Triathlon Verl (1,2 / 40 / 10).

Die Vorbereitung auf die Ironmandistanz ist eigentliche Herausforderung, denn das Training ist sehr zeitintensiv. Das liegt vor allem an den langen Radeinheiten, die man als Berufstätiger nur am Wochenende absolvieren kann. Da ist es kein Wunder, dass Triathleten von den Sportlern die höchste Scheidungsrate haben.

Zwei Tage vor dem Triathlon reiste ich mit Verena an. Wir campten auf einem Zeltplatz direkt an der Ostsee. Der Platz war gerade mal 600 m vom Start-/Zielbereich entfernt. Ein Großteil der Camper waren Teilnehmer des Ostseeman sowie deren Begleiter/Angehörige. Und so ergab es sich natürlich, dass es nur ein Thema gab. Einige Sportler haben bereits in den Vorjahren am Ostseeman teilgenommen, so dass es immer wieder zu interessanten Unterhaltungen kam.

Es folgte das übliche Prozedere: Abholung der Startunterlagen, Wettkampfbesprechung, Abgabe des Fahrrades am Vortag, Packen und Abgabe der Kleiderbeutel. Man hatte immer genug zu tun.

Am 02.08.2009, kurz vor 7 Uhr, stand ich im Neoprenanzug am Ostseestrand in Glücksburg und fieberte dem Start entgegen. Im Startbereich traf ich meinen Lauffreund Ralph Dietz. Auch für ihn war es der 1. Triathlon über die Ironmandistanz.  Ich hatte ein gutes Gefühl. Schließlich war ich in GLÜCKsburg und dank der Marienkäferplage waren Millionen GLÜCKsbringer unterwegs. Der Ostseeman sollte die Belohnung für das zeitintensive Training werden. Um 7 Uhr war es endlich soweit, der lang ersehnte Startschuss fiel. Vor mir lagen 226 km, die ich schwimmend, radelnd und laufend zurücklegen sollte.

Beim Ostseeman gab es einen Landstart. Wir liefen vom Strand aus in die Ostsee und der Wettkampf begann. Als Brustschwimmer mit bescheidenen Kraulkenntnissen startete ich selbstverständlich weiter hinten. Die Wassertemperatur betrug 16,5 Grad und das Wasser war voll mit Quallen. In der Flensburger Förde mussten 2 Runden á 1,9 km geschwommen werden. Nach 1:34 h kam ich aus der Ostsee. Das war für mich eine sehr gute Schwimmzeit. Der Anfang war also gemacht.

In der Wechselzone wurde schnell der Neoprenanzug ausgezogen und ich wechselte zur Radfahrkleidung. Dann folgte die 180 km lange anspruchsvolle Radstrecke mit 900 Höhenmetern. Es mussten 6 Runden á 30 km mit jeweils 4 knackigen Anstiegen gefahren werden. Beim Radfahren hatte ich den Nachteil, dass ich mit einem Tourenrad unterwegs war. Mein Fahrrad schien im Gegensatz zu den Hightech-Rennmaschinen der anderen Teilnehmer eine richtige Attraktion zu sein. Der Sprecher im Start-/Zielbereich machte das Publikum extra darauf aufmerksam, dass ich ein Tourenrad mit Federgabel und Scottlenker fuhr. Ich hatte mich für ein Tourenrad entschieden, weil der Ironman eine einmalige Sache sein sollte und weil es für den Rücken als Bandscheibenoperierter einfach angenehmer war.

Nach der 1. Radrunde erblickte ich Gerd Michel aus Borchen und seinen Sohn Sebastian. Sie hatten beruflich in Norddeutschland zu tun und waren extra wegen mir zwei Tage vorher angereist. Es tut immer gut und wirkt leistungsfördernd, wenn Freunde am Straßenrand stehen und mich anfeuern. Auch die MCM-Freunde Monika, Gerri, Conny und Rolf habe ich mehrmals klatschend und aufmunternd erblickt. In fast jeder Runde hat Verena mir Getränke als Eigenverpflegung gereicht, weil ich Isogetränke im Übermaß nicht vertrage. Beim Radfahren traf ich etwa ab km 100 auf Gerri vom MCM. Wir haben ein bisschen gequatscht und uns gegenseitig immer wieder Mut zugesprochen. Das war eine angenehme Abwechselung und verkürzte die Zeit. Insgesamt verlief das Radfahren absolut super.

Inklusive der Wechselzeiten vor und nach dem Radfahren sowie des nachfolgend geschilderten „Schocks“ benötigte ich 6:38 h. Die 180 km bin ich mit einem Netto-Kilometerschnitt von etwa 28 km/h gefahren. Insgesamt war das keine gute Radfahrzeit, aber für mich war das bombastisch. Der gute Heiner Bergschneider hatte mir das Fahrrad mehrmals umgebaut bzw. Veränderungen durchgeführt, so dass ich in der Lage war, mit einem Tourenbike von Bergsieger die 180 km mit einem guten Ergebnis zu fahren. Danke Heiner.

Beim Wechsel zum Laufen bekam ich erst einmal einen Schock. Der Kleiderbeutel mit den Laufsachen befand sich nicht an der dafür vorgesehenen Stelle. Offensichtlich hatte ein anderer Triathlet versehentlich meinen Kleiderbeutel genommen und falsch abgelegt. Nach kurzer Suche mit Unterstützung der Helfer wurden die Laufsachen gefunden. Mit dem Marathon folgte nun die letzte Disziplin.

Mit dem Marathon folgte endlich eine meine Königsdisziplin. Die Strecke war wellig und nicht leicht zu laufen, dafür aber kurzweilig. Trotz der 3,8 km Schwimmen und 180 km Rad lief ich noch recht leichtfüßig. Es mussten 5 Runden á 8,44 km gelaufen werden. Beim abschließenden Marathon joggte ich gleichmäßig und überholte etwa ein Viertel der Teilnehmer. Das gab natürlich noch zusätzlichen Schwung. Für die 42,195 km lange Strecke benötigte ich 3:56 h.

Nach insgesamt 12 Stunden, 9 Minuten und 34 Sekunden und ca. 10.000 verbrannten Kalorien erreichte ich überglücklich das Ziel. Trotz der großen Freude war es irgendwie schade, dass es schon vorbei war.

Der Zieleinlauf bei einem Triathlon über die Langdistanz ist einfach grandios. Man kann es nicht beschreiben, man muss es erleben. Man wird vom Zielsprecher über Lautsprecher angekündigt und das Publikum jubelt einem frenetisch zu. Allein für diesen wunderbaren Moment hatte sich alles gelohnt.

Mit meinem Ergebnis war ich mehr als zufrieden. Als bescheidener Schwimmer und Tourenradfahrer hatte ich mir im Vorfeld eine Zeit von 13:45 h gewünscht. Dass ich für die 226 km letztendlich 12:09,34 h benötgte, war für mich grandios. Die Veranstaltung war zudem perfekt organisiert. Um es auf neudeutsch zu sagen: „Es war einfach nur geil!“

Nun habe ich ein Problem. Die Langdistanz im Triathlon sollte eine einmalige Angelegenheit sein. Aber ich habe so viel Spaß und Freude beim Ostseeman gehabt, dass es wohl nicht mein letzter Triathlon über die Ironmandistanz gewesen ist.