Lt. Veranstalter handelt es sich um den „stärksten Lauf aller Zeiten“. Für mich sollte es der verrückteste Lauf meines Lebens werden.
In Weeze nahe der holländischen Grenze wurde am 29.03.2009 auf dem Gelände des Flughafengelände der 3. Strongmanrun veranstaltet. Dieser Lauf hat mich bereits bei seiner Premiere vor zwei Jahren gereizt. Da sich kein Mitstreiter fand, habe ich zunächst einmal auf dieses Abenteuer verzichtet.
Ende 2008 machte mich Verena auf den Strongmanrun aufmerksam und kurze Zeit später war er auch schon gebucht. Der Strongmanrun führt über eine Gesamtstrecke von 18 km. Es sind zwei Runden á 9 km mit insgesamt 32 Hindernisse zu überwinden. Man musste klettern, krabbeln, im Schlamm kriechen, durch kaltes Wasser schwimmen, auf Lehm rutschen und … und … und. Um diese Veranstaltung wird ein wahnsinniger Hype gemacht. Die Veranstalter verstehen es, Spannung aufzubauen und weckten damit natürlich meine Neugierde.
Am 29.03.2009 war es dann endlich soweit. Bei kühlen 6 Grad Außentemperatur und einem frischen Wind standen Verena und ich mit ca. 6.000 LäuferInnen aus 40 Ländern am Start. Viele der TeilnehmerInnen waren verkleidet. Es herrschte eine großartige Stimmung unter den LäuferInnen und den 30.000 Zuschauern. Mittags um 12:00 Uhr erfolgte der Startschuss.
Nach ca. 1 km tauchte das erste Hindernis auf. Es mussten 5 begrünte Hügel mit ca. 50 Prozent Steigung / Gefälle überwunden werden. Das brachte uns ein wenig aus der Puste, aber danach ging es locker weiter. Es folgte bei km 3 eine Dunkelkammer. Darin war es stockdunkel. Es wurde künstlicher Nebel erzeugt und bei WDR 4 – Musik war ein Stroboskop eingeschaltet. Hier bekamen wohl einige Panik, so dass dieses Hindernis in der 2. Runde leider gesperrt wurde.
Nach einem weitern Kilometer mussten wir über einen Berg Altreifen überwinden. Sofort darauf war eine 10 m hohe Mauer über davor aufgestellte Strohballen zu erklettern. Die letzten 2 Höhenmeter musste man sich mit Muskelkraft hochziehen. Auf der anderen Seite erfolgte der Abstieg über ein Netz aus Seilen, eine Art riesige Strickleiter. Unten angekommen wartete wieder ein Berg von Altreifen auf uns. Anschließend kletterten wir wiederum über das Seilnetz auf die nächste 10 m hohe Mauer. Oben wurde der Untergrund mit Wasser bespritzt. Man konnte nun auf dem Hosenboden rutschen und wurde ca. 5 m weiter unten von Strohballen aufgefangen. Da es an diesem Hindernis mehrere Verletzte gab, wurde es ebenfalls leider in der 2. Runde gesperrt.
Nun konnten wir wieder ein wenig laufen, bevor das nächste Hindernis folgte. Dieses Mal galt es, auf einer Strecke von etwa 15 m unter einen Zaun herzuklettern, der 40 cm über den kniefreundlichen Steinboden gespannt war.
Es folgten einige matschige Hügel und Hindernisse. Danach erreichten wir die riesige Schlammgrube. Nun gab es kein Halten mehr, denn endlich konnten sich die LäuferInnen im Schlamm suhlen. Wir mussten wiederum 10 m unter einen ca. 50 cm hohen gespannten Zaun kriechen. Dieses Mal bestand der Untergrund aus kalter nasser Matsche.
Im Anschluss liefen wir auf einer Strecke von 300 m durch knietiefes Schlammwasser. Danach folgte ein hügeliger Streckenabschnitt auf Sand. Die nassen Füße bzw. Schuhe sogen den Sand richtig auf. Aber das war alles halb so schlimm, denn das Beste sollte noch folgen.
Nachdem ich einen Sandberg überwunden hatte, blickte ich auf ein trübes Wasserloch mit einem Durchmesser von ca. 30 m. Mittendrin sah ich Köpfe, die sich vorwärts bewegten. Ich sagte zu mir „bitte nicht!“. Es kam, was kommen musste. Über einen Trichter wurden wir ins Wasser geleitet. Nach dem 2. Schritt hatte ich bereits keinen Boden mehr unter den Füßen und schwamm in dem etwa 7 Grad kalten Wasser. Nun sah ich erst, dass man auch am Rand dieses Minisees entlang gehen konnte. Aber auch da versanken die Teilnehmer an vielen Stellen bis zur Brust im Wasser. Die „Am-Rand-Entlang-Geher“ wurden von den Schwimmern natürlich als Weicheier tituliert. Das war aber alles nicht so ernst gemeint, denn der Spaß stand eindeutig im Vordergrund. Während in der 1. Runde der Verhältnis Schwimmer zu „Am-Rand-Entlang-Geher“ noch etwa 50 zu 50 war, reduzierte es sich in der 2. Runde auf ca. 5 (Schwimmer) zu 95 (Weicheier). Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass ich mich in der 2. Runde der Masse angeschlossen habe und nicht geschwommen bin.
Am Ende dieses Wasserlochs drückte ein kühler Wind auf die nasse Kleidung. Das war ein wenig unangenehm. Aber ich befand mich nun mal mitten im Strongmanrun und nicht in irgendeinem Wald-und-Wiesen-Knackwurst-Lauf.
Nun wartete als nächstes Hindernis ein matschiger Lehmhügel auf uns. Mit einem Schritt vor, einen halben Schritt zurück und nach mehrmaligem Ausrutschen erreichte ich endlich die Hügelspitze. Auf der anderen Seite war eine ca. 10 m lange feste Lehmrutsche angelegt worden. Wir rutschten hinunter und wurden unten sanft in einem Sumpfloch aufgefangen. Die nasse Kleidung hatte sich nun mit dem Lehm vermischt und alle Teilnehmer hatten nun die hellbraune Einheitsfarbe.
Aber die Veranstalter waren nicht dumm und hatten sich ein Hindernis ausgedacht, bei dem sich die TeilnehmerInnen säubern konnten. Wir mussten nun auf eine Strecke von 200 m durch 1,60 m tiefes Wasser waten. Wer noch nicht genug hatte, konnte natürlich auch Aquajogging betreiben. Selbstverständlich war auch dieses Wasser eiskalt. Wir nutzten diese Erfrischung, um wenigsten einen Großteil des Lehms von der Kleidung zu streifen.
Es folgten noch einige Kletter- und ein Kriechhindernisse, bevor die 1. Runde beendet war. Jetzt musste die ganze Strecke noch einmal bezwungen werden. Aber in der 2. Runde wussten wir ja, was auf uns zukam. Ob das ein Vor- oder Nachteil war, kann man nicht pauschal sagen. Das hing mit Sicherheit von dem Hindernis ab.
Im Ziel wartete Ausbilder Schmidt und begrüßte uns in seiner unnachahmlichen Art mit „Tach ihr Luschen“. Ich muss sagen, dass war ein würdiger Empfang beim Zieleinlauf.
Veranstalter dieses herrlichen Events war Fisherman’s Friend, der ja mit dem Spruch: „Sind sie zu stark, bist du zu schwach“ wirbt. Das passt irgendwie.
Ich habe schon so einige extreme Laufabenteuer bestanden, aber der Strongmanrun war mit Sicherheit der kurioseste Lauf schlechthin. Die Stimmung unter den LäuferInnen war genial. Die gelaufene Zeit war absolut zweitrangig, Hauptsache man war dabei. Man half sich gegenseitig beim Überwinden der Hindernisse und alle hatten gute Laune. Für mich steht fest, dass es nicht der letzte Strongmanrun war. Wer Interesse hat, kann sich unter http://www.fishermansfriend.de/strongmanrun/ informieren. Dass wir als Teilnehmer dieses Laufes von vielen Menschen für verrückt erklärt werden, ist nicht weiter schlimm. Als Strongman steht man da locker drüber.