TorTour de Ruhr 2008                                 

 

Allgemeines

Training

Logistische Planung

Der Lauf   *   km 12,5   *   km 44   *   km 56   *   km 78   *   km 85   *   km 100   *   km 114   *   km 158   *   km 164   *   km 180  *   km 190  *   km 200   *   km 218   *    km 230

Fazit

Danke

 

Allgemeines

Ende 2007 meldeten sich Tom Kuschel und Tilman Gurries bei mir und fragten an, ob ich nicht Lust hätte, mit Ihnen die „TorTour de Ruhr“ zu laufen. Von dem Lauf hatte ich bis dahin nichts gehört. Dank Google war die Homepage des Veranstalters Jens Vieler schnell gefunden. Bei der „TorTour de Ruhr“ sind 230 km zu bewältigen. Start ist am Rheinorange in Duisburg und das Ziel ist die Ruhrquelle in Winterberg. Die Strecke orientiert sich auf einer Länge von immerhin 5 ½ Marathons an dem Ruhrtalradweg entlang. Die „TorTour de Ruhr“ sollte der bis dahin längste Nonstop-Ultralauf Deutschlands sein. Das Zeitlimit betrug 40 Stunden. Um die Sache noch zu erschweren, muss man sich während des Laufes zum größten Teil selber verpflegen. Zunächst war nur eine Verpflegungsstelle bei km 100 vorgesehen. Es handelt sich um einen auf 20 Teilnehmer begrenzten Einladungslauf. Ganz nebenbei wurde noch ein Bambinilauf über 100 km angeboten.

Tschundra – das ist wahrlich ein ganz harter Brocken, zumal es ja im Sauerland bzw. zur Ruhrquelle zum Schluss immer nur bergauf geht. Ich bat erst mal um Bedenkzeit, da ich mich erst mit dieser Art von (Lauf)Abenteuer auseinandersetzen musste. Jens Vieler ist diese Strecke im Vorjahr in umgekehrter Richtung gelaufen und hat seine Eindrücke im Internet veröffentlicht. Von der überwältigen Resonanz war Jens derart überrascht, dass er dem Drängen seiner Ultralauffreunde nachgab und so die „TorTour de Ruhr“ ins Leben gerufen hat.

Während ich noch überlegte, hatten Tom und Tilman sich bereits bei Jens gemeldet. Da man als Ultraläufer ja immer auf der Suche nach neuen Erfahrungen und Abenteuern ist, meldete auch ich mich ebenfalls bei Jens an. Er antwortete, dass zunächst seine Freunde Vorrang genießen. Er setzte mich auf die „Warteliste“, machte mir aber gleichzeitig Hoffnung, dass ich mit hoher Wahrscheinlichkeit dabei sein würde. Ende Januar bekam ich dann von Jens per Email Kenntnis, dass ich zum Kreis der Starter gehörte. Tom und Tilman waren auch dabei, ebenso mein Trainingspartner Ralph Dietz. Später meldete sich dann noch Karl Gerlach an.

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Training

Im Februar begann also die Vorbereitung. Zu diesem Zeitpunkt lief ich ca. 50 Wochenkilometer. Hin- und wieder hatte ich bis dahin auch einen 30er eingeschoben. Die erste Bewährungsprobe sollte der Marathon Bad Salzuflen Ende Februar sein. Am Veranstaltungstag musste ich zunächst arbeiten und habe erst 3 Stunden vor dem Start erfahren, dass ich frei bekomme. Da ich vorsichtshalber meine Sporttasche gepackt hatte, fuhr ich direkt von der Arbeit nach Bad Salzuflen. Ich kam noch rechtzeitig zum Start des hügeligen 5-Runden-Kurses. Der Marathon lief allerdings nicht so gut. Obwohl ich langsam lief, musste ich mich auf den letzten 10 km quälen. Das war für mich eine ganz neue Erfahrung, wo ich doch so vorsichtig gelaufen bin.

Als Nächstes standen dann die Deutschen Meisterschaften über 50 km in Marburg an. Dort war ein 6er Schnitt angedacht. Es lief aber von Anfang an ganz gut und ich bin dann im 5:30er Schnitt gelaufen. Dank fehlender Konkurrenz wurden Tom, Karl und ich sogar noch Deutscher Meister in der Altersklasse M35/45.

In der Folgezeit wurden die Wochenkilometer gesteigert, so dass ich auf 80 – 100 km kam. Es lief aber nicht so richtig rund. Hinzu kam, dass ich durch jede Menge Überstunden im Beruf eingespannt war und das Laufen folglich zu kurz kam.

Als letzter Härtetest war 2 Wochen vor der „TorTour de Ruhr“ die Harzquerung geplant. Mitte März machten mich Tom und Tilman beim Steinfurt-Marathon auf den 24Stundenlauf am Seilersee in Iserlohn aufmerksam. Übrigens lief ich den Steinfurt Marathon mit Tom und Tilman recht locker im Wohlfühltempo unter 4 Stunden.

Bei dem o. g. 24Stundenlauf konnte man auch 6 h oder 12 h laufen. MCM-Mitglied Bernd Nuss veranstaltete den Lauf zu Gunsten eines Kinderprojektes in Tibet. Ich entschloss mich dazu, 12 Stunden zu laufen. Innerhalb der 12 Stunden wollte ich das Tempo von der TorTour simulieren und nach 60 km vorzeitig aussteigen. Naja, es wurden 50 Runden um den Seilersee und auf dem Laufkonto standen 81 km. Schließlich war es für eine gute Sache und so floss noch ein wenig mehr Geld in das o. g. Projekt. Für die 81 km benötigte ich 11 Stunden. Während Tom und Karl noch ihre Runden drehten, ging ich zum Duschen. Das sollte es an langen Läufen sein. Die Vorbereitung war nun beendet.

Anschließend stand noch eine Erholungswoche in der Türkei an. Dort lief ich jeden Morgen 10 km. Zum Ende des Urlaubs fühlte ich mich locker in den Beinen und war froh, dass es nur noch wenige Tage bis zur „TorTour de Ruhr“ waren.

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Logistische Planung

Uns war sofort klar, dass man die TorTour nicht ohne Supporter finishen kann. Gerri erklärte sich sofort bereit, zu supporten. Sie fragte Conny Glasmeyer und auch sie sagte spontan zu. Das erleichterte mich ungemein. Zusätzlich erklärte sich Rolf Grondke bereit, uns die ganze Strecke mit Fahrrad samt Anhänger zu begleiten. Gerd Glasmeyer wollte vom Start zunächst 56 km mitlaufen und uns anschließend mit dem Rad begleiten. Auch Monika Grondke hatte sich als Supporter zur Verfügung gestellt, weiterhin noch Bekannte von Tilman, so dass die Versorgung für uns Läufer lückenlos gesichert war. Nun wusste ich, dass ich ein verdammt gutes Team hatte.

Es war geplant, dass Tom, Karl, Tilman und ich am 1. Lauftag der „TorTour de Ruhr“ zusammen laufen. Karl wies noch auf Norbert Ebbert hin, der angefragt hatte. Das war kein Problem und so schlossen wir auch Norbert in das Team mit ein.

Wir Läufer trafen uns zunächst bei Tilman und ca. 3 Wochen vor dem Start nochmals mit Supporter bei Gerri. Es wurden letzte Einzelheiten besprochen. Mittlerweile gab es 6 offizielle Verpflegungsstellen. Sie lagen aber zwischen 30 km und 50 km auseinander, so dass wir auf jeden Fall noch Verpflegungsstellen einbauen mussten. Wir einigten uns darauf, die Lücken so zu füllen, dass wir am 1. Tag etwa alle 15 km eine Verpflegungsstelle und am 2. Tag alle 10 km einrichteten.

Natürlich hatten wir in Erwägung gezogen, dass nicht alle Läufer das Ziel erreichen und sich die Lauftruppe spätestens am 2. Tag auseinander könnte. Es waren jedoch genügend Helfer da, so dass man das mit Improvisieren hinbekommen würde. Außerdem stand noch Kerstin Gerlach als Joker bereit.

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Der Lauf

Morgens trafen wir (Tilman und Kerstin, Rolf und Monika, Tom, Karl, Norbert, Gerd und ich) uns bei Gerri. Dank einiger zeitlichen Verzögerungen fuhren wir später los und trafen erst 10 Minuten vor dem Start am Rheinorange in Duisburg ein. Das war aber kein Problem. Bei Ultraläufen geht halt eben alles ein wenig gemächlicher zu. Freudig wurden wir von Jens begrüßt.

Nach der Begrüßung und den üblichen Fotos meinte noch eine Tante vom WDR, dass wir mehrmals hin und her laufen sollten, damit sie uns mit ihrer Kamera aus verschiedenen Positionen filmen könne. Was soll’s – ist doch egal, ob wir 230 km oder 231 km laufen, woll?!

Mit 10 Minuten Verspätung startete das Abenteuer am Pfingstsamstag um 08:10 Uhr. ENDLICH ging es los. Tilman, Tom, Karl, Norbert und ich sowie unsere Begleiter Rolf (Fahrrad mit Anhänger) und Gerd (Läufer) ließen es gaaanz langsam angehen und sicherten uns einen unangefochtenen Platz im hinteren Läuferfeld. Schließlich wollten wir „lediglich“ finishen. Um einigermaßen auf Nummer sicher zu gehen, hatten wir eine grobe Endzeit von ca. 35 Stunden angedacht. In diesem Rahmen haben wir uns dann auch von Anfang an bewegt.  

Nach einigen Extrarunden für den WDR liefen wir endlich in Richtung Ruhrquelle. Wir waren ein lustiges Trüppchen und hatten uns viel zu erzählen. Unsere Utensilien, die wir unterwegs mal gebrauchen könnten, wurden in Rollis Fahrradanhänger deponiert. Weil in dem Anhänger auch noch ein Kanister mit 25 l Wasser war, musste er ein Gewicht von ca. 50 kg ziehen.

Während ich in den Wochen zuvor noch leichte Zweifel hatte, fühlte ich mich nun pudelwohl. Ich hatte ich mich von den Trainingskilometerumfängen meiner Mitläufer verunsichern lassen, da ich in guten Wochen gerade mal halb so viel Kilometer runterspulen konnte. Mehr hätte mein Kadaver vermutlich auch nicht verkraftet. Also entschloss ich mich auf meine Stärken zu konzentrieren und die lagen vor allem im mentalen Bereich. Mit einer guten Renneinteilung war ich guter Dinge, die „TorTour“ zu Ende zu bringen. Und je näher der Lauf rückte, desto ruhiger wurde ich. Aber nun zurück zum Rennverlauf.

Wir verließen Duisburg und erreichten nach 12,5 km das Aquawassermuseum in Mühlheim. An unserer 1. Verpflegungsstelle warteten Victoria und Monika auf uns. Ich hatte Probleme mit meinem leckenden Trinkrucksack und deponierte ihn auf Rollis Anhänger. Bei der Suche nach dem Leck in der Trinkblase verging fast ½ Stunde. Das war recht früh für eine so lange Pause, aber wir hatten ja Zeit genug und liefen dann weiter. Ich war heilfroh, dass Rolli mit seinem Anhänger und der riesigen Getränkeauswahl da war. So konnte ich immer nehmen, was das Herz begehrte – Wasser, Cola, Malzbier, Red Bull, Saft pp.

Bei 25 km erreichten wir den ersten offiziellen Verpflegungsposten. Es gab wieder reichlich zu essen und zu trinken. Ich kümmerte mich um meinen Trinkrucksack und siehe da, er verlor keine Flüssigkeit mehr. Es stellte sich später heraus, dass die eingeworfene Frubiase-Tablette Kohlensäure gebildet hatte und das unweigerlich zu Problemen in der Trinkblase führen musste. Mit Trinkrucksack lief es sich nun unproblematischer. Ich brauchte nicht dauernd auf Rollis Anhänger zurückzugreifen. Wir waren nun 3:18 h unterwegs und die Sonne erwärmte die Luft auf ca. Mitte 20 Grad.

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Es folgte ein wunderschöner Abschnitt des Ruhrtalradweges. Ich hätte nicht gedacht, dass das Ruhrgebiet mit einem so herrlichen Grüngürtel versehen ist. Nach 5:21 h erreichten wir den Baldeneysee in Essen bei km 44. Diese Gegend war uns bekannt durch den Baldeneysee-Marathon. Die Ruhrrunner hatten dort einen leckeren verpflegungsstand aufgebaut. Nach einer angemessenen Pause ging’s dann wieder weiter.

Es lief recht gut. Unser nettes (Lauf)Trüppchen hatte sich immer noch viel zu erzählen. Die Außentemperaturen näherten sich der 30 Grad-Grenze. Es gab in diesem Teilstück aber auch einige schattige Abschnitte, die das Ganze erträglich machten. Auf dem Ruhrtalradweg hatte es sich mittlerweile schon herumgesprochen, dass da einige Verrückte von Duisburg nonstopp bis Winterberg laufen. Und so wurden wir unterwegs oft angesprochen. Ein Radfahrer wollte es nicht glauben und sagte lächelnd „Jungs, da haut ihr aber ganz schön auf die Kacke“. Das war eine von vielen Begegnungen, die unterwegs für Erheiterung sorgten. Ein sehr großer Anteil der Leute, mit denen wir unterwegs in Kontakt kamen, wünschte uns viel Erfolg. Das tat dann jedes Mal richtig gut und motivierte uns.

Nach einiger Zeit folgten ausnahmslos sonnige Abschnitte. Auf den vielen Rasenflächen am Ufer der Ruhr sonnten die Ausflügler und an jeder Ecke roch es lecker nach Grillgut. Wir hatten ein anderes Ziel und daher ließen wir uns durch diese Eindrücke nicht ablenken.

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Bei km 56 erreichten wir die Schleuse Dahlhausen. Dort warteten Gerri, Conny und Monika auf uns. Gerri hatte mir einen Trinkgurt mitgebracht, aber den benötige ich zunächst nicht, da meine Trinkblase nun ihre Dienste erfüllte. Gerri hatte Nudeln und kleine Kartöffelchen gekocht. Das war eine nette Abwechselung. Nachdem die Trinkutensilien aufgefüllt waren, setzten wir den Lauf fort. Bis hierhin war Gerd mitgelaufen, er wechselte nun auf sein Fahrrad. Auf Rollis Fahrrad mit Anhänger wechselten sie sich ab.

An diesem 1. Tag war uns sofort klar, wie wertvoll Rolli mit seinem Anhänger war. Er fuhr oft vor und baute eine Verpflegungsstation auf. Wenn wir ihn dann erreichten, konnten wir aus der Vielfalt auswählen. Ab km 56 wurde er dabei von Gerd unterstützt. Für uns Läufer war das eine super Erleichterung und Hilfe.

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Zwischenzeitlich hatte sich Peter Hunold zu uns gesellt. Er lief mit einem Gepäckrucksack, den er dann auf unserem Fahrradanhänger deponierte. Es fiel ihm merklich leichter, laufend vorwärts zu kommen. Nach 10:45 h erreichten wir den Verpflegungspunkt am Kemnader See bei km 78. Hier wurden wir von Steppenhahn persönlich bewirtet.

Meinen Beinen ging es gut, aber mein Magen spielte ein wenig verrückt. Leichte Übelkeit kam auf, die dann im Laufe der kommenden Kilometer auch noch zunahm. Etwa bei km 79 setzten wir mit der Fähre auf die andere Uferseite der Ruhr. Hier war eine Gruppe junger Leute am Grillen. Norbert ließ es sich nicht nehmen und aß ein Stück Rostbratwurst. Obwohl ich Rostbratwürstchen sehr gerne mag, habe ich mich aber nicht getraut, das fettige Zeugs zu essen.

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Auf der anderen Ruhrseite ging’s nun etliche Kilometer schnurgeradeaus an einer stillgelegten Bahnstrecke vorbei. Das war schon ein ätzendes Stück. Es fing nun an zu dämmern und bei km 85 wartete Tom’s Verwandtschaft mit lecker Verpflegung auf uns. Diese Verpflegung musste sich Gerd allerdings schwer erarbeiten. Er fuhr gerade das Bike mit dem Anhänger und musste eine ca. 18prozentige Steigung bewältigen.

Nach dieser Verpflegungspause ging’s nun weiter in Richtung Kilometer 100, dem Zielschluss des Bambinilaufes. Meine Übelkeit wollte nicht so richtig verschwinden. Mit dieser Masse an Sportlergetränken hatte ich schon des Öfteren Schwierigkeiten. Das Magenproblem kam meistens auf, wenn ich bei einem Ultralauf länger als 10 Stunden unterwegs war. Ich hatte schon mehrere Getränke ausprobiert, aber offensichtlich die ideale Mixtur immer noch nicht gefunden. Tilman sagte mir, dass er keine Flüssigkeit mehr aufnehmen könne und daher den Lauf nach 100 km definitiv beenden werde. Das war sehr schade, damit würde ein sehr angenehmer Laufpartner unsere Truppe verlassen. Zwischenzeitlich war Reinold Hüttemeister als dritter Radbegleiter zu uns gestoßen. Wir waren also bestens versorgt.

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Das 100 km-Ziel am Hengsteysee erreichten wir nach 14:26 h. Dort gab es alles, was das Herz begehrt. Ich entschied mich für Kartoffelpüree. Beim Essen merkte ich bereits, wie gut mir das tat. Die Hoffnung, dass sich mein Magen beruhigte, stieg. Hier war es derart gemütlich, dass wir die Pause auf 30 – 40 Minuten ausdehnten. Mit Pete habe ich noch ein wenig über den 24Stundenlauf am Seilersee in Iserlohn unterhalten. Er ist dort 2 Wochen zuvor zum 1. Mal 162 km gelaufen und hatte damit erstmalig die 100 Meilengrenze geknackt. Ich hatte ihn dort zum Schluss des Rennens für einige Runden begleitet. Nun munterte er mich auf.

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Nach einer verdienten Pause rafften wir uns wieder auf und machten uns auf den Weg durch die Nacht. Tilman mussten wir schweren Herzens zurücklassen. Es war aber die einzig richtige Entscheidung. Unsere Gruppe bewegte sich weiter, bis wir bei km 114 und 17:10 h Laufzeit den Verpflegungsstand des LSF Unna erreichten. Hier trafen wir auch auf Tilman und Victoria. Tilman hatte sich ein wenig erholt und es ging ihm deutlich besser. Peter Hunold beendete hier seinen Lauf. Er setzte sich auf einen Stuhl und verlangte nach einer Zigarette. Die Helfer lachten, aber es Peters Ernst, denn er hatte auch bei den vorherigen Verpflegungsstellen immer einer Zigarette geraucht. Peter beendete hier das Rennen und stieg aus. Er wünschte uns für die weitere TorTour viel Erfolg. Wir bewegten uns weiter durch die Nacht.

Im weiteren Verlauf sagte Karl zu mir, dass er den Lauf wohl nicht beenden könne, weil er heftige Oberschenkelprobleme habe. Ich versuchte abzuwiegeln und versuchte, ihm Mut zuzusprechen. Aber sein Entschluss stand wohl fest. An der MCM-Verpflegungsstelle bei km 130 wolle er aussteigen. Karl ist wahrlich ein zäher und ausdauernder Kerl. Es mussten wohl gravierende Probleme sein, sonst würde er wohl nicht aussteigen wollen.

Etwa 3 km weiter überquerten wir eine Straße und folgten dann wieder dem Ruhrtalradweg. Hier blockierte ein Pkw den Radweg. Als wir uns an dem Pkw vorbei schlängelten, leuchteten wir mit unseren Stirnlampen in das Fahrzeuginnere. Auf der Rückbank amüsierte sich gerade ein Liebespärchen. Das war für natürlich eine amüsante bzw. erheiternde Ablenkung.

Unsere Radfahrer klagten über die bittere Kälte. Ich konnte sie nur allzu gut verstehen. Es war ca. 7 Grad kalt und im Gegensatz zu uns Läufern mussten sich die Radfahrer in dieser Phase des Laufes kaum anstrengen. Ohne unsere Radfahrer wären wir aufgeschmissen gewesen und sie machten einen verdammt guten Job. Gerd war total durchgefroren und ließ sich bei Langschede von seiner Conny abholen. Immerhin war Gerd mit uns losgelaufen und hat uns anschließend nahtlos mit dem Rad begleitet. Er hatte seine Pause zum Erholen und Aufwärmen redlich verdient. Bei km 200 in Bestwig wollte er wieder einsteigen.

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So langsam näherten wir uns Menden. Unser Verein MCM hatte in Fröndenberg eine Verpflegungsstation errichtet. Offenbar vermissten sie uns schon, denn Margarete Geisler kam uns mit ihrem Auto entgegen gefahren und winkte uns zu. Kurze Zeit später erreichten wir den MCM-Stand bei km 130. Wir waren jetzt 19:59 h unterwegs. Wir wurden von Margarete Geisler, Horst Kaderhandt und Bernd Nuss erwartet. Es waren vertraute Gesichter und wir fühlten uns sofort heimisch. Das Haus bzw. ein warmes Bett war so nah, aber wir mussten weiter. Es half alles nichts. Karl hatte sich dazu entschieden, noch bis Neheim weiter zu laufen. Sollte der zähe Karl vielleicht das Rennen doch noch beenden. Ich würde es ihm von Herzen wünschen.

Nach kurzer Pause liefen wir weiter in Richtung Neheim. Dort sollte bei km 150 die nächste Verpflegungsstation sein. Wir bewegten uns nun auf bekannten Terrain, waren wir auf diesen Wegen doch etliche Male im Training gelaufen. Mein iPod dudelte bereits seit Einbruch der Dunkelheit und verkürzte mir mit vertrauter Musik die Nacht. Wir näherten und dem Gut Echthausen und stießen auf Udo. Diese durch uns geplante Verpflegungsstelle bei km 140 hatten wir völlig vergessen und daher waren wir natürlich positiv überrascht. Mein Magen hatte sich mittlerweile beruhigt. Mir kam zu Gute, dass es nachts stark abkühlte und dadurch auch der Flüssigkeitsverlust nachließ. Ich brauchte nicht mehr so viel zu trinken und habe mich mit Kraftbrühe an den Verpflegungsstellen sowie mit neutralen Getränken über die Zeit gerettet. Ich schöpfte wieder Hoffnung, dass sich der Magen wieder vollständig erholen würde.

Es fing nun an zu dämmern und wir näherten uns Neheim. Dort war in dem Freizeitbad „Nass“ eine große offizielle Verpflegungsstation. Doch Neheim bzw. das „Nass“ wollte irgendwie nicht näher kommen. Nach der Weg-Zeit-Berechnung hätten wir schon längst da sein müssen. Vom Gefühl her waren wir für unsere Verhältnisse recht zügig unterwegs und hatten nur wenige Gehpausen eingelegt. Das zehrte an den Nerven. Wir haben dann Spaziergänger nach der Entfernung bis zum „Nass“ gefragt. Aber das hätten wir uns sparen können, denn zwischen 500 m und 5 km war alles dabei. Hier hatte ich meinen ersten absoluten Tiefpunkt. Wir waren nun schon über 3 Stunden für angebliche 20 km unterwegs und hätten bei unserem Lauftempo schon längst am „Nass“ sein müssen. In der gesamten Truppe machte sich miese Stimmung breit. Jeder lief stumm vor sich her und war mit sich selber beschäftigt.

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Aber dann kam endlich das ersehnte Ziel. Nach nun insgesamt 23:35 h Laufzeit erreichten wir morgens gegen 07:45 Uhr die Verpflegungsstation am „Nass“. Schon von Weitem sah ich Gerri. Sie und Conny sollten mich nun bis zum Ziel begleiten. Monika war auch mitgekommen und es tat gut, die vielen bekannten Gesichter wieder zu sehen. Vom MCM waren noch Horst Kaderhandt sowie  Anita und Josef Kaderhandt am „Nass“. Das war eine nette Geste und drückte die moralische Unterstützung für diesen Wahnsinnslauf aus. Als unser Veranstalter Jens dann noch sagte, dass er sich mit der Entfernung zum „Nass“ offensichtlich vertan hätte. Wir waren tatsächlich bereits bei km 158, als 8 km weiter als gedacht. Das erklärte auch die lange Laufzeit bis zum „Nass“. Die Welt war wieder in Ordnung und die Moral stieg. Im „Nass“ war ein Raum mit einem Frühstücksbuffet hergerichtet. Ich setzte mich an den gedeckten Tisch und gönnte mir ein kräftiges Frühstück. Die Helfer lasen mir jeden Wunsch von den Lippen ab und ich genoss diese Kräftigung. Aber nach 30 – 45 Minuten raffte ich mich wieder auf, um den Lauf fortzusetzen. Das Aufstehen fiel nach dem langen Sitzen natürlich schwer. Aber Gerri half mir hoch und nach ein paar Schritten ging es wieder.

Karl stieg am „Nass“ nun endgültig aus. Das war wirklich sehr schade, aber aufgrund seiner Probleme war es auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Dieser harte Hund war erst 2 Wochen vorher beim 24Stundenlauf am Seilersee in Iserlohn 176 km gelaufen und hatte nun schon wieder 150 km auf dem Buckel. Alle Hochachtung vor diesen Leistungen.

Unser Trupp machte sich wieder auf. Nun war es so, dass wir unterschiedliche Lauf- und Geschwindigkeitsrhythmen hatten. Es stellte sich heraus, dass Norbert und ich super harmonisierten. So ergab es sich, dass wir von nun an zusammen liefen. Tom hatte eine Krise und ließ sich ein wenig zurück fallen. Für unseren Biker Eisenrolli war das Schwerstarbeit, denn unsere Laufgruppe war nun auseinander gezogen. Rolf sprach uns aber gut zu und sagte, dass ihm das nichts ausmache. Schließlich sei er so in der Lage, zwischenzeitlich auch mal ein wenig schneller Rad zu fahren. Es schien für ihn eine nette Abwechselung zu sein.

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In Arnsberg bei km 164 warteten Gerri und Conny auf uns. Sie empfingen uns mit einem erfrischenden Lächeln. Jede Begegnung mit Gerri und Conny tat gut. Auch jede aufmunternde Äußerung sog ich in mich hinein und gab mir neue Kraft, die ich sicherlich benötigte. Zu meiner Überraschung war Gerd auch mitgekommen. Gerd ist nun mal Gerd und ich freute mich riesig, ihn wieder dabei zu haben. Er wollte erst in Bestwig bei km 200 wieder einsteigen. Aber anscheinend hatte er wohl keine Ruhe und kam eher zurück als erwartet. Nach einiger Zeit kam auch Tom. Aber er lief bereits nach kurzer Zeit weiter, während sich Norbert und ich noch Zeit ließen. Nachdem wir unsere Vorräte aufgefüllt hatten, liefen auch Norbert und ich weiter.

Wir hatten nun das Glück, wieder zwei Radfahrer bei uns zu haben. So ergab es sich, dass Tom von Eisenrolli begleitet wurde. Gerd begleitete von nun an Norbert und mich. Es dauerte nicht lange und wir schlossen wieder zu Tom auf. Wir wünschten ihm alles Gute und hofften, dass er bald aus seinem Tief wieder herauskam. Optisch schien es ihm auch wieder besser zu gehen. Wie ich später von ihm hörte, hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits das Schlimmste überstanden und war wieder auf dem Weg der Besserung.

Auf dem weiteren Weg bemerkten wir, dass zwei Läufer hinter uns waren. Wir hatten sie offensichtlich überholt, als sie vermutlich mal ausgetreten waren. Irgendwie baut so etwas auf und sorgte sowohl für physische als auch mentale Stärke, was ja für dieses Abenteuer enorm wichtig war.

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Schließlich erreichten wir bei km 180 Freienohl. Gerri munterte mich auf und bestärkte mich. Jetzt waren es nur noch 50 km bis zum Ziel, das auf einmal ganz nah war. Aber diesen Gedanken verdrängte ich sofort und dachte wie bisher bis zur nächsten Verpflegungsstation. Diese Abstände waren kürzer und das Erreichen des nächsten Verpflegungsstands war realistischer und greifbar.

Nach der üblichen Pause machten wir uns wieder auf. Das Anlaufen fiel nun doch recht schwer. Aber nach ein paar Metern ging es dann überraschenderweise wieder relativ gut. Insgesamt waren wir noch in einem guten Zustand. Wir konnten noch laufen und das zu diesem Zeitpunkt des Rennens noch recht ordentlich. Meinem Magen ging es wieder super. Ich hatte komplett auf Ultra Buffer, Cola und Instand Haferflocken umgestellt. Auch der zweite Pfingsttag war mit sonnigen 27 Grad recht sommerlich. Ich habe Unmengen Ultra Buffer und Cola in mich hineingeschüttet und mein Körper sog das Zeug in sich hinein. Mein Magen funktionierte hervorragend. Das freute mich ungemein, da ich ja bisher oft Magenprobleme bei Läufen hatte, die 10 Stunden oder länger andauerten. Das Gesamtpaket Supporter, Radfahrer, Ernährung, Wetter, Euphorie, Endorphine ohne Ende pp. schien zu stimmen.

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In Meschede trafen wir bei km 190 wieder auf unsere bekannten Supporter. In Meschede war zu unserer Freude unser Lauffreund Michael Just mit seinem Bruder erschienen. Michaels Bruder ist Physiotherapeut und stand uns hier mit seinen Kenntnissen und Fähigkeiten zur Verfügung. In einiger Entfernung sahen wir vor uns 2 Läufer, die sich gehend fortbewegten. Von unseren Supportern erfuhren wir, dass Norbert und ich an 3. Stelle liegen würden, wenn wir die beiden Läufer überholen würden. In mir kam wieder Euphorie hoch. Wir lagen bis km 150 immer an letzter Stelle. Das war nicht weiter schlimm. Schließlich wollten wir ja nur innerhalb der vorgegebenen 40 Stunden das Ziel erreichen. Aber die Chance auf Platz 3 weckt natürlich Energie. Das ließ mich fast unvernünftig werden. Ich sagte zu Norbert, dass wir sofort weiterlaufen sollten. Aber Norbert ließ sich leicht massieren und nicht aus der Ruhe bringen. Er hatte ja Recht. Ich wollte mich zunächst nicht massieren lassen, schließlich war Platz 3 in greifbarer Nähe. Dann setzte aber bei mir die Vernunft ein und ich ließ mich auch leicht massieren. Michaels Bruder sagte, dass die Innenseite meiner rechten Wade ordentlich in Mitleidenschaft gezogen sei. Das störte mich nicht weiter, denn bis zum Ziel war es weniger als ein Marathon. Aber der schwerste Abschnitt lag noch vor uns.

Nach einer ausgiebigen Pause liefen Norbert und ich wieder quälend los. Aber nach einiger Zeit merkten wir, dass uns die leichte Massage gut getan hatte. Wir waren immer noch in der Lage 15 – 20 Minuten am Stück zu laufen und das nach einer Gehpause zu wiederholen. Natürlich hatten Norbert und ich auch Tiefs, aber Gott sei Dank immer zu unterschiedlichen Zeiten. So war immer einer da, der den Anderen mitriss. Wir waren mittlerweile so gut eingespielt, dass das alles im nonverbalen Bereich geschah. Wenn Norbert merkte, dass ich schwächelte, lief er wortlos los und ich wortlos hinterher. Innerlich fluchte ich zwar, dass Norbert jetzt einfach weiter lief und keine Rücksicht zu nehmen schien. Aber auf der anderen Seite war ich heilfroh, dass es laufend weiterging. Anders herum funktionierte es ebenso und später habe ich von Norbert erfahren, dass bei ihm identische Gedanken vorhanden waren.

Es dauerte nicht lange und wir überholten unsere bereits in Meschede gesichteten Läufer. Sie gingen immer noch und applaudierten uns zu, als wir sie laufend passierten. Die Ultraläufer sind einfach eine nette Sorte Mensch. Nun waren wir an 3. Stelle. Ein geiles Gefühl. So etwas hatten wir nicht im Traum für möglich gehalten. Norbert und ich kamen gleichzeitig zu dem Entschluss, gemeinsam ins Ziel zu laufen. Wir zweifelten nun nicht mehr daran, die Ruhrquelle zu erreichen.

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Es dauerte nicht lange und wir liefen bei km 200 in die Ortschaft Bestwig. Hier war wieder ein offizieller Verpflegungspunkt und ich gönnte mir ein Erdinger Alkoholfrei. Das zischte richtig gut. Gerri lobte unseren Laufstil, er sehe noch ästhetisch aus. Das sei nicht bei allen  Teilnehmern so. Hier erfuhren wir, dass mein Lauf- und Trainingsfreund Ralph Dietz etwa bei km 170 aussteigen musste. Das war schade, aber Ralph ist kein Hitzeläufer und die Temperaturen waren mit fast 30 Grad offensichtlich zu hoch für ihn.

Das Ziel rückte immer näher. Nach weiteren 8 km befanden wir uns schon in Olsberg und wir waren guter Dinge. Doch in Bigge unterlief uns ein Missgeschick. Auf der gesamten Strecke war es so, dass wir dem Radweg gefolgt sind, wenn kein Hinweisschild „Ruhrtalradweg“ angebracht war. Es war auch in Olsberg so, dass wir dem Radweg folgten, da wir kein Schild „Ruhrtalradweg“ entdecken konnten. Derartige Schilder sind bei einigen Souvenirjägern offensichtlich beliebt und daher fehlte es vermutlich an einer Stelle in Olsberg. Als wir Zweifel hatten, ob wir auf dem richtigen Weg sind, war bereits Einiges an Laufzeit vergangen. Wir haben dann Leute auf der Straße gefragt. Leider trafen wir ausschließlich auf Touristen, die uns nicht weiter helfen konnten.

Wir riefen dann Gerri an. Bei ihr befand sich zufällig ein Einheimischer und der erklärte uns am Telefon den Weg. Es stellte sich heraus, dass wir genau in die entgegen gesetzte Richtung gelaufen waren. Es waren noch mehrer Anrufe erforderlich, bis wir endlich auf den Ruhrtalradweg zurückkehrten. Dieser Umweg kostete uns ca. 45 Minuten und das tat in dieser Phase des Rennens verdammt weh. Auf einmal war alle meine Euphorie wie weggeblasen. 

Aber auch anschließend wurde es nicht besser. Der Ruhrtalradweg war hinter Olsberg wegen Bauarbeiten gesperrt und es gab verschiedene Meinungen über die Umleitung. Das kostete Zeit und Nerven. Schließlich entschlossen wir uns für einen Umweg über die B480. Das war kein Zuckerschlecken. Es ging nur bergauf und da dort kein Seitenstreifen vorhanden war, schossen die Autos im knappen Abstand an uns vorbei. Nach einigen Kilometern fanden wir den Ruhrtalradweg wieder und kamen so endlich weg von der Straße. Gerd hatte zwischenzeitlich Rolf über unser Missgeschick in Olsberg und die Umleitung informiert. So konnten wir verhindern, dass Tom dasselbe Missgeschick zustößt.

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Nun wurde es immer beschwerlicher. Die Steigungen wurden immer länger und steiler. Die Geradeaus- oder Bergabpassagen hielten sich in Grenzen. Nach 31:05 h Laufzeit kamen wir bei km 218 nach Wiemeringshausen. Am Ende der Ortschaft lag eine lange 19prozentige Steigung vor uns. Kurz hinter dieser gemeinen Steigung wartete unser Supporterteam. Der Anblick dieser tollen Menschen war immer wieder ein außerordentlicher Höhepunkt. Zu Gerri und Conny hatten sich Monika, Tilman und Viktoria gesellt. Sie munterten uns auf und hatten insgesamt einen großen Anteil daran, dass wir es bis hierhin geschafft hatten. Es war nun Nachmittag und die Sonne brannte unbarmherzig. Hier ging kein Lüftchen und die Hitze war schon heftig.

Nach der verdienten Pause wollte ich nur noch weiter. Ich wollte endlich zu den Ruhrquellen. Gerd kümmerte sich rührend um uns. Unser Trinkvorrat war in den Fahrradgepäcktaschen gebunkert. Er reichte uns geduldig immer wieder die Getränke. Wir schütteten Ultra Buffer und Cola wie die Bekloppten in uns rein. Es ist schon ein wahres Wunder, was das Kraftwerk Körper so leistet.

Nun trauerte ich der verschenkten Zeit in Olsberg nach und überlegte, wie weit wir schon wäre, wenn wir diesen Umweg nicht gemacht hätten. Ich redete mich in ein seelisches Loch. Die Steigungen zogen sich wie Kaugummi und jeder Schritt tat weh. Laufen war auf den wenigen Geraden jedoch noch möglich, ansonsten bewegten wir uns gehend vorwärts.

Gerd sagte zu uns in seiner netten unnachahmlichen Art, dass wir noch ein paar Stunden unterwegs würden, wenn wir weiter so schleichen. Er wies uns darauf hin, dass wir ein Tempo von gerade mal 4 km pro Stunde hätten. Das war der richtige Spruch zum richtigen Zeitpunkt. Mir wurde bewusst, wie nahe wir dem Ziel sind und die Endorphine schossen letztmalig in den Körper. Warum sollten wir das Ziel noch unnötig zeitlich hinausschieben. Norbert und ich kriegten’s im Kopf und liefen ca. 2,5 km ohne Pause im 5:30er bis 6:00er Schnitt. Wir wollten einfach nur noch ins Ziel kommen.

Endlich sahen wir ein Schild, dass es bis zur Ruhrquelle nur noch 1,5 km waren. Kurz darauf stolpert Gerd und fiel zu Boden. Dazu ist anzumerken, dass Gerd uns bereits seit ca. 45 km laufend mit dem Rad begleitet hat. Das Fahrrad schob er, indem er es an dem Sattel erfasste und neben sich her schob. Hier hat vermutlich ein grober Stein das Vorderrad blockiert und so kam es zum Sturz. Gerd blutete an vielen Stellen. Aber er schüttelte sich kurz und ließ sich nichts anmerken. Anschließend lief er wieder mit seinem Rad neben uns. So ist er nun mal.

Nach einiger Zeit hatten wir die o. g. 1,5 km geschafft, aber die Ruhrquelle war nicht in Sicht. Es handelte sich um eine Entfernungsangaben für den Parkplatz der Ruhrquelle. Wir sahen Angie und ihren Rene. Angie fotografierte uns und sagte, dass es bis zur Ruhrquelle noch ca. 1 km sei. Verdammte Hacke, dachte ich. Aber was soll’s. Es schlummerte noch Kraft in Norbert und mir. Auch wenn es leicht bergauf ging, war für Norbert und mich klar, diesen letzten Kilometer laufend zurück zu legen. Ich hörte, wie Angie sagte „verdammt, die laufen ja“. Angie hatte sich bereit erklärt, im Ziel zu fotografieren und musste nun mit Rene hinter uns herlaufen. Sie hatte sich wohl eher auf einen gemütlichen Spaziergang eingestellt. Da hatte sie wohl die Rechnung ohne uns gemacht.

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Und dann sahen wir die Ruhrquelle. Gerri und Conny sowie das ganze Supporterteam waren da. Mit letzter Kraft bin ich auf die ca. ½ m hohe Mauer vor der Ruhrquelle gesprungen und konnte mein Glück nicht fassen. 230 km lagen hinter mir, ich konnte es kaum glauben. Norbert und ich stellten uns für die üblichen Finisherfotos neben dem Stein der Ruhrquelle auf. Es war geschafft. Endlich. Nach insgesamt 36 Stunden 23 Minuten 14 Sekunden nonstop war diese verdammte und doch tolle Ruhrquelle erreicht. Norbert und ich wurden zeitgleich Gesamtdritte bei Deutschlands längsten Nonstoplauf. Einfach grandios. Aber das war nicht mein Erfolg, es war ein Erfolg des Teams. Ohne diese herrlichen Menschen, die mir während der Vorbereitungen und während der „TorTour de Ruhr“ so hilfreich, liebreizend und aufopfernd unterstützt haben, wäre diese Leistung nie möglich gewesen. Ihnen gilt mein ganzer Dank. Ohne die Helfer hätte ich das Ziel nie erreicht.

Ich schloss Gerri in meine Arme. Sie hatte mich immer für das Erreichen dieses Zieles unterstützt und mir unermüdlich Mut zugesprochen. Liebe Gerri – tausend Dank dafür. Nun hatte ich ein Problem. Ich war im Ziel und mein Körper wusste nun, dass er Feierabend hatte. Ohne fremde Hilfe kam ich nicht von dieser ½ m hohen Mauer herunter. Gerri half mir und so konnte ich Conny, Gerd und Monika in die Arme schließen. Tilman und Viktoria waren auch da und auch ihnen gilt mein Dank. Sie haben uns nach Tilmans Ausscheiden tatkräftig unterstützt und so zu meinem erfolgreichen Abschneiden beigetragen.

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Fazit

Da die Vorbereitung bei mir nicht so toll lief und ich eher wenige Trainingskilometer in den Beinen hatte, bin ich mit einer leichten Unsicherheit an den Start gegangen. Das sollte sich zunächst bestätigen, als ich mit schweren Magenproblemen zu kämpfen hatte und aussteigen wollte. Durch die TorTour de Ruhr habe ich erfahren, dass ich auf Fruchtzucker basierte Sportgetränke nicht vertrage. Das macht sich bei mir aber erst bei Extremläufen bemerkbar, wenn ich 10 Stunden oder länger unterwegs bin. Ich dachte schon, dass ich für derartige Ultraläufe nicht geeignet sei. Schließlich wurde im Rahmen einer Studie festgestellt, dass ich lt. meiner DNA ein Sprintertyp bin. In der 2. Hälfte der TorTour de Ruhr habe ich hauptsächlich Ultra Buffer zu mir genommen. Ultra Buffer basiert auf der Basis von Maltodextrin und derartige Sport-Mix-Getränke vertrage ich gut. Das habe ich eher durch Zufall herausgefunden, aber diese Erkenntnis ist für mich äußerst hilfreich. So kann ich weitere Extremläufe planen und in Angriff nehmen. Bei der TorTour de Ruhr war mein 1. Gedanke im Ziel, dass ich so etwas jederzeit noch einmal machen möchte. Im nächsten Jahr werde ich wohl wieder etwas Außergewöhnliches in Angriff nehmen.

Für die TorTour de Ruhr waren 20 Starter zugelassen. 16 Teilnehmer gingen an den Start und davon erreichten 8 Läufer das Ziel.

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Danke

An dieser Stelle möchte ich allen Helfern danken, die zu meiner erfolgreichen Teilnahme an der TorTour de Ruhr beigetragen haben.

Gerri (Gerlinde Langer)

Ihr gilt natürlich mein größter Dank. Sie hat mich immer bestärkt, an diesem Lauf teilzunehmen. In der Vorbereitung hatte ich oft Zweifel. Gerri hat mir immer Mut zugesprochen und mich an meine Stärken erinnert. DANKE!!!

Tom (Tom Kuschel)

Mein Mendener (Lauf-)Freund hat mich oft während der Vorbereitung im Training und bei Wettkämpfen begleitet. Er ist für jedes Extreme zu haben. Es macht einfach immer Spaß mit Tom. Er hat übrigens das Ziel in 37:24:49 erreicht. Eine tolle Leistung von ihm.

Gerd (Gerd Glasmeyer)

Er ist ein guter Freund und hat uns sowohl laufend als auch mit dem Rad begleitet. Er hat uns bei der TorTour 100 km Fahrrad fahrend und insgesamt 90 km laufend (davon 45 km laufend und gleichzeitig Fahrrad schiebend) begleitet. Besonders zum Schluss des Rennens war er hilfreich und für mich sehr sehr wichtig.

Conny (Cornelia Glasmeyer)

Gerri hat ihr erzählt, dass ich die TorTour de Ruhr laufen möchte und sie gefragt, ob sie als Supporterin mit dabei wäre. Conny hat ohne zu zögern zugesagt. Sie war selbstlos, unermüdlich und hat mich während des Laufs immer wieder ermuntert.

Eisenrolli (Rolf Grondke)

Eisenrolli verdient seinen Namen zu Recht. Er hat extra für unsere Begleitung ein Fahrrad mit Anhänger geliehen und uns während des Laufs begleitet. Auf dem Anhänger hatten wir Läufer so einige Kilos Gepäck für jede Eventualität gepackt, so dass es für Rolli alles andere als ein Zuckerschlecken war. Eisenrolli ist 230 km mit dem Rad bis ins Ziel gefahren und hat Tom auf dem letzten Drittel der Strecke erfolgreich begleitet.

Monika (Monika Grondke)

Sie ist eine treue Seele und hat geholfen, wo sie nur konnte. Monika war immer zur Stelle und ihr erfrischendes Lächeln war immer ein Augenschmaus.

Norbert (Norbert Ebbert)

Ihn habe ich erst während der TorTour de Ruhr kennen gelernt. Er ist ein perfekter Laufpartner mit einer Art, die ich bevorzuge. Wir haben uns während des Laufs glänzend ergänzt. Er hat mir über einige Tiefs hinweg geholfen.

Tilman (Tilman Gurries)

Mit Tilman habe ich mehrere Etappen beim Isarrun 2006 absolviert und seit dieser Zeit ist der Kontakt nie abgebrochen. Wenn ich mich recht entsinne, hat er mich mit seiner Email auf die TorTour de Ruhr aufmerksam gemacht und dadurch erst mein Interesse geweckt. Mit Tilman zu laufen, ist immer ein Genuss.

Viktoria (Viktoria Gurries)

Sie steht hinter Tilman wie eine Wand. Viktoria war am Anfang des Rennens und zum letzten Drittel als Supporterin dabei und hat uns tatkräftig unterstützt.

Karl (Karl Gerlach)

Der liebe bescheidene und unermüdliche Karl war der dritte im Bunde der MCM-Starter. Es ist wirklich toll, wenn mehrere eines Vereins an so einer Laufveranstaltung teilnehmen. Wir haben so manchen Volkslauf als Vorbereitung absolviert. Karl ist immer gut drauf und es ist mir immer eine Ehre, mit ihm zu laufen.

Udo und seine Begleiterin

Sein Nachname ist mir nicht bekannt. Er und seine weibliche Begleiterin sind Freunde von Tilman und Viktoria. Er hat uns an den Verpflegungsstellen mit seinem reichhaltigen Angebot erfreut. Er hatte immer die richtigen Sachen zum richtigen Zeitpunkt dabei.

Pete (Peter Hamann)

Seine legendäre Homepage www.badwaterultra.de ist mir seit Jahren bekannt. Kennen gelernt habe ich ihn beim 24Stundenlauf in Iserlohn zwei Wochen vor der TorTour de Ruhr. Wir sind dort einige Runden zusammen gelaufen und wie Pete sagt, habe ich dazu beigetragen, dass er erstmals die 100 Meilen-Marke in einem 24Stundenlauf geknackt hat. Er hat sich revanchiert, indem er mir bei km 100 Mut für die erfolgreiche Teilnahme an der TorTour de Ruhr zugesprochen. Pete war übrigens Erster des Bambinilaufes über 100 km.

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